Hochschule? Hochschule!

Ja, es ist „nur“ ein Standort, einer von vieren. Aber im Vergleich könnte dieser Ostfalia-Standort auch eine eigenständige Hochschule sein: Rund 45 ausgewiesene Professorinnen und Professoren lehren und forschen hier, beinahe 3000 Studentinnen und Studenten sind eingeschrieben, international anerkannte Abschlüsse und Studiengänge werden angeboten, renommierte Forschungsprojekte (die sogar in der internationalen Liga spielen) werden hier durchgeführt.

Und Salzgitter, die Stadt, die Bevölkerung? Salzgitter hadert! Zumindest muss diesen Eindruck jeder erhalten, der an der Fachhochschule zwischen Engerode und Calbecht lehrt und forscht. Die Stadt nimmt die Hochschule eher kaum bis überhaupt nicht wahr. Gut, das ist mein persönlicher Eindruck, doch im Vergleich zu zahlreichen anderen Hochschulstandorten, die mit „ihrer“ Hochschule werben, die auf Ortsschildern bereits darauf aufmerksam machen, bleibt Salzgitter zurückhaltend. Wenn die Ostfalia in der Vergangenheit gefragt war, dann zumeist mit Fragen, was die Hochschule qua Standort für Salzgitter einzubringen hat, was man an Unterstützung für Planungsvorhaben, Stadtentwicklung und zukünftige Ausrichtung an Know-how nutzen könnte. Diese Denkweise vernachlässigt diejenigen, die hier besonders aktiv in der Forschung unterwegs sind. Die orientieren sich nämlich eher national und international an den wissenschaftlichen Fachgemeinschaften und ihren Forschungsfeldern. 

Möglicherweise könnte es helfen, wenn die Stadt das nutzt und den eigenen Fokus verschiebt. Zum Beispiel: Es gibt unzählige Möglichkeiten gemeinsamer Antragstellungen für EU-Projekte oder Ausschreibungen des Bundes, warum also nicht gezielt nach möglichen Kooperations-Projekten suchen, als Stadt auf die Wissenschaftler zugehen – für Salzgitter, für ein modernes und zukunftsorientiertes Salzgitter. Aus meiner Sicht liegen hier zahlreiche Ressourcen brach. Keine Frage, hierfür muss Salzgitter den ersten Schritt gehen und eventuell Arbeitszeit und Energie einbringen. Salzgitter darf offen die Kooperation suchen und muss vielleicht das Dickicht der Ausschreibungen durchdringen. Am Ende kommt es auf das Wie einer Kooperation an. Aber: Es lohnt sich – aus einschlägiger Erfahrung weiß ich, dass die Türen in Calbecht seit Langem offenstehen.