Wer sind wir in Europa?

Zypern im Jahr 2019 – ein typisches Bild aus Nikosia. Auch das ist Europa, eine äußeres Ende mit jeder Menge Historie dazu. Das Bild steht hier als Einladung zum Perspektivwechsel. Was können wir aus dem, was wir heute schon erreicht haben, noch machen? Wir sollten die Möglichkeiten sehen, die Chancen, unsere Stärken. Man könnte auch ins alte England schauen. Es gibt dort viele Städte, die Salzgitter nicht einmal unähnlich sind. Man findet sie in den Midlands oder auch im Süden. Sie sind erdig, klar, in einzelnen Stadtteilen prekär. Aber, sie sind liebenswert, manchmal schräg und immer irgendwie besonders. Ich habe mich oft gefragt, warum Salzgitter diesen erdigen Charme nicht in ähnlicher Weise zum Leuchten bringen kann? Die Antwort ist vergleichsweise einfach. 

Egal ob Liverpool, Birmingham oder Sheffield. Immer gibt es etwas, das ich als den Stolz der Bürger auf ihre Stadt bezeichnen würde, das als klares Bekenntnis zur eigenen Heimat erkennbar ist. Zwischenzeitlich ist in vielen dieser englischen Regionen auch und gerade durch die europäische Integration viel passiert, hat sich dort einiges zum Guten gewendet. Umso schmerzlicher ist deshalb auch der Brexit zu bewerten. 

Gerne würde ich mich auch in einem oder mehreren der folgenden Briefe mit der Frage des Selbstbewusstseins beschäftigen, mit der Frage, warum Salzgitteraner regelmäßig mit ihrer Heimat hadern, warum sie sie abwerten und die Lebensqualität in der Stadt verneinen. 

Was aber Inhalt hier sein soll: Wie können wir gemeinsam Programme der Europäischen Union für uns erschließen, wie können wir Modellstadt werden in ausgewählten Bereichen, wie bringen wir uns mit den ohne Zweifel vorhandenen Besonderheiten ins Gespräch? Und ich spreche hier jetzt eher weniger von Endlagerstätten und Schacht Konrad. In Zypern ist das an einigen Orten gelungen – an anderen noch nicht in ausreichendem Maß. Auch, wenn es in Salzgitter nicht viel anders als an anderen Orten dieses Landes aussieht, wir haben viele junge Menschen im Melderegister. Daraus muss sich auch mit Blick auf Europa etwas machen lassen? Wollen wir es gemeinsam angehen?