Auftakt-Pressekonferenz, 12. März 2021

Livestream und Redetext

Ihr Kandidat: Vorstellung durch SPD und Bündnis 90/Die Grünen

Bei Klick auf das Video werden Daten an YouTube übertragen.

Redetext zur Pressekonferenz:
Ich kandidiere – darum!

Ganz einfach – und das ist eine wichtige Erkenntnis aus meinem Leben: Wenn etwas von außen an Dich herangetragen wird, musst Du genau hinhören. Das war so, als ich nach Salzgitter an die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften kam. Ich wollte das nicht. Aber Salzgitter und die Kollegen – in diesem Fall waren es tatsächlich Männer – waren hartnäckig. 

Ich war erfolgreich als Filmemacher, Autor und Berater, ich habe bei internationalen Produktionen Regie geführt und parallel an einer renommierten Universität gelehrt – auch mit der Berechtigung neben Seminaren große Vorlesungen zu übernehmen. Ich konnte parallel zu meinem Beruf studieren, promovieren und habilitieren. Der Hintergrund dafür: Ich war immer wissensdurstig, hungrig nach Erkenntnis. Ich sehe das alles als Auszeichnung des Lebens, Salzgitter hatte ich nicht auf dem Plan – aber Salzgitter und die Hochschule dort mit Ihrem Dekan Thomas Waldeer und ihrem Präsidenten Wolf-Rüdiger Umbach offenbar mich.  

Mit 45 Jahren also durfte ich mich hier in Salzgitter neu erfinden. Eine Professur zu übernehmen und einen ganzen Bereich aufzubauen, dafür Unterstützung auf ganzer Linie zu erfahren, das war eine gute, nein, das war eine sehr gute Erfahrung. Ich habe nie bereut, mich von Salzgitter überzeugen zu lassen. Ich habe hier als Einzelkämpfer im Studiengang Medienmanagement begonnen – heute sind wir für Medienmanagement und Medienkommunikation acht Professoren-Kollegen und -Kolleginnen, hinzu kommen vier weitere im Bereich Mediendesign, und wir planen, weiter zu wachsen. Ich sehe den Bereich Medien an der Hochschule in Salzgitter als Erfolgsgeschichte – auch, das sei hinzugefügt, wenn die Stadt noch immer von uns vergleichsweise wenig Notiz nimmt. Aber, das ist okay. Bislang war mein Fokus durchgängig forschungsorientiert international – mit Blick auf die wesentlichen Forschergruppen der Community. 

Für einige von Ihnen wird es erstaunlich sein, warum ich mir nun ausgerechnet das Amt eines Oberbürgermeisters ans Bein binden will. Es gibt mehrere Gründe:

  1. Achte immer besonders auf die feinen Signale, wenn etwas von außen an Dich herangetragen wird. In diesem Falle war das so. Zudem: Meine Bedingungen, dass eben nicht nur eine Ratsfraktion meine Kandidatur unterstützt war erfüllbar. Wir treten Ihnen heute in erstaunlicher Einigkeit und Entschlusskraft bezogen auf zahlreiche Themen gegenüber: Bildung, Kultur, Klima- und Umweltschutz, Digitales, Soziales. Ich glaube an ein neues Salzgitter. 
  2. Es haben die Richtigen angeklopft: Meine berufliche Karriere hätte ich nicht machen können, wenn es nicht die sozialdemokratische Bildungspolitik der 1970er und 1980er Jahre gegeben hätte. Das damals südlichste Studienzentrum der Fernuniversität Hagen war im roten Hessen, in Frankfurt. Alle schwarz regierten Länder blockierten die Institution. Sträflich. Heute unvorstellbar. Die FU Hagen war eine Erfindung eines Mannes, der den gleichen Namen trug wie ich. Auch, wenn wir nicht verwandt sind, so fühle ich eine enge innere Verwandtschaft zu Johannes Rau, der in seinem Land Bildungspolitik betrieben hat, wie ich mir sie heute deutschlandweit wünschen würde. Offen, transparent, durchlässig. Wir haben in Salzgitter an meiner Professur mit dem Projekt „Die Audio-Uni – Hochschule ohne Hemmungen“ mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds einen neuen Standard entwickelt, der allen motivierten Menschen, allen Bildungshungrigen und eben auch Bildungs-Spätstartern sowie Quereinsteigern die Möglichkeit gibt, barrierefrei online Hochschulbildung zu erwerben. Wer sich für das Projekt interessiert – es wäre eine eigene Pressekonferenz wert.
  3. Es ist gelungen, die richtigen Beiden zusammenzubringen: Wenn sich SPD und Grüne im Rat der Stadt in der Vergangenheit einig waren, dann ging vieles voran in dieser Stadt. Dorthin möchte ich zurückfinden. Wir können den Klimawandel ebenso wenig wegignorieren wie eine sorgfältige und nachhaltige Unterstützung der Digitalstrategien an Schulen. Und wir dürfen hier als bunte Stadt – als Stadt der Vielfalt, eines ungewöhnlichen Miteinanders – nicht zurückstehen, wir dürfen Vorbild für andere sein und das auch leben. Ich würde mich freuen, wenn nach der Wahl möglicherweise auch einmal wieder rot-grüne Koalitionsgespräche stattfinden würden. Wie gesagt, das ist ein Wunsch. Ich weiß, dass die beiden Parteien in vielen einzelnen Punkten durchaus abgrenzbar sind. Das ist auch gut, das zeichnet gute Koalitionen aus, dass sie dennoch aufeinander zugehen, zuhören, miteinander diskutieren. Kommunaler Diskurs ist das Rezept der Stunde! 
  4. Demokratie ohne Alternative, Demokratie ohne Alternativen ist keine Demokratie. Große Fußballclubs schaffen sich nicht umsonst vielfach Raum durch Trainerwechsel. Auch wenn der Erfolg einer solchen Maßnahme bezogen auf den Fußball bei einigen Beispielen bescheiden ist. Wir brauchen auch für das herausgehobene Amt eines Oberbürgermeisters Alternativen. Mit diesem Bild ist noch etwas anderes angesprochen. Ich verstehe mich als Coach, als derjenige, dem es gelingen muss, die Ideen des Rates zu unterstützen und die Entscheidungen dann auch umzusetzen – bestmöglich umzusetzen.
  5. Gestaltung! Wenn wir es in Salzgitter schaffen, die Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, dann können wir das überall in Deutschland schaffen. Lasst uns also Blaupause sein, lasst uns eine neue Gemeinschaft bilden, lasst uns an einem Strang ziehen, dass wir hier gut und gerne leben, um einen Wahlspruch der politischen Konkurrenz aus dem letzten Bundestagswahlkampf heranzuziehen. Ein solch hoher Anspruch braucht Gestaltungskraft. Ich bin Gestalter – kein Verwalter. Etwas zu verwalten ist stets mit dem Blick zurück versehen, ist im Grunde rückwärtsgewandt. Gestaltung schaut nach vorne – warum also werden wir nicht Modellstadt für klimaneutrale Sanierung von Wohngebäuden unter Verwertung von Müll. Meine Kollegin Folke Köbberling von der TU Braunschweig arbeitet genau an solchen Konzepten. Spinnerei? Nein! In England funktioniert das schon. Noch einmal: Meine Devise heißt „Gestalten statt Verwalten“. Das wird meine Aufgabe sein. Und unterschätzen Sie bitte nicht die Qualität der Verwaltung, die dann hinter mir steht.  
  6. Transparenz! Ich weiß, dass ich Visionen vermitteln kann, ich weiß, dass ich kommunizieren kann. Das ist es, was diese Stadt braucht: Vermittlung, transparente Entscheidungen. Noch einmal: Als OB musst Du flexibel sein, und du musst auch einmal gegen deine eigenen Überzeugungen politische Entscheidungen durchsetzen. Ich kann das deshalb, weil es mir um das große Ganze geht, weil ich Salzgitter in die Zukunft führen will, in eine Zukunft, die besser ist. Moderne Verwaltung muss nicht nur digital funktionieren, sie muss auch transparent sein. Ich will beides. Und im Team haben wir Expertinnen und Experten dafür. Man kann das nicht hoch genug schätzen. 
  7. Führung – erstens! Ja, ein Oberbürgermeister hat Richtlinienkompetenz. Die werde ich ausüben und ausfüllen. Ein Oberbürgermeister muss aber auch wissen, wann er nicht gefragt ist, wann er sich auf die Expertinnen und Experten seines Teams verlassen muss. Ich habe mein Team an der Hochschule – dieses ist zwar jung, aber jeder und jede Einzelne arbeitet in herausgehobenen Forschungs-, Entwicklungs- und Lehrprojekten sehr eigenständig und selbstverantwortlich. Wir haben großen Erfolg damit. In der Pandemie haben wir uns komplett auf Anregung eines Mitarbeiters in der Anwendung Discord organisiert – und an Produktivität nichts eingebüßt. Wir waren zweitplatziert beim Best-Paper-Award der wichtigsten Europäischen Konferenz für Medienmanagement und Medienökonomie – dies soll als Beispiel genügen. Wer mehr wissen will, klickt auf https://komma.ostfalia.de
  8. Führung – zweitens! Ich möchte noch einen weiteren Punkt zum Thema Führung ansprechen. Es gibt ein Modewort im Management-Bereich: Agilität. Ich habe viele Formen agilen Managements ausprobiert und kann heute sagen, ich kenne mich aus – nicht alles ist Gold, was glänzt. Aber, wovon ich nachhaltig überzeugt bin, ist von strategischem Projektmanagement. Je besser es uns gelingt, in Projekten zu denken, die in zahlreiche kleine Schritte zu zerlegen sind, desto besser. Ich könnte Ihnen jetzt eine Geschichte aus meinem Tageszeitungsvolontariat an der badischen und hessischen Bergstraße erzählen. Gerne später auf Nachfrage oder im Einzelgespräch.

Was mich mein Leben lang begleitet hat: Ich liebe meinen Beruf, ich habe sowohl im Praxisteil wie im Wissenschaftsteil, so denke ich zumindest für mich, alles erreicht, was ich erreichen wollte. Ich habe große auch internationale Publikationen begleitet, viele Bücher geschrieben, habe internationale Konferenzen mit Forschungsergebnissen bereichert, die in meinem Team entstanden sind, ich habe als Autor, Fernsehmoderator, Radioreporter, als Filmproduzent und TV-Format-Entwickler gearbeitet. Sie werden keinen Kandidaten, keine Kandidatin für Salzgitter finden, der oder die breiter aufgestellt ist. Ich werde auch den Beruf als Oberbürgermeister lieben, weil er mit Menschen zu tun hat, und weil er geeignet ist, die Welt ein wenig besser zu machen. Das mag groß klingen, ja, es ist groß – aber es ist auch ebenso wahr und wichtig.

Haben Sie etwas gemerkt – bestimmt: Ich habe noch wenig über das Wahlprogramm gesagt. Ich verrate Ihnen so viel – wir stecken seit einigen Wochen regelmäßig coronagerecht online die Köpfe zusammen und haben zahlreiche Gemeinsamkeiten entdeckt, sie reichen von neuen Mobilitätsangeboten zu Gewässerschutz über Schacht Konrad bis hin zu umfassenden Klimaschutzkonzepten, sie konzentrieren sich auf Bildung, Digitalisierung, Kultur und Wirtschaftspolitik, die in meinem Verständnis in Salzgitter immer und zwingend Arbeitsmarktpolitik sein muss. Lassen Sie uns gemeinsam die nächsten Wochen damit verbringen, die großen Themen auszuloten. Ich vertraue da auch auf Sie – faire, arbeitsfreudige und herausfordernde Medien.