Komplexität ist etwas anderes als kompliziert…

Politik? Eine Herausforderung!

Das Bild zeigt Forschungsergebnisse aus einem Projekt, das uns in Salzgitter berühmt gemacht hat. Wir untersuchen seit einigen Jahren Verflechtungsstrukturen von TV-Sendern mit Produktionsunternehmen, und wir haben einige wichtige Erkenntnisse gewonnen. Das Bild ist hier gewählt, weil es zeigt, wie wichtig es ist, Komplexität zu akzeptieren – und beherrschen zu lernen.

Gerade in der Kommunalpolitik – also im Bereich von Städten und Gemeinden – wird Politik besonders spannend, weil man seine Wirksamkeit als Politiker unmittelbar sehen kann, die Auswirkungen von Entscheidungen zum Beispiel. Und jene, die von Entscheidungen betroffen sind, trifft man regelmäßig auf der Straße – egal, ob es um Schulen, Abwasser oder die Straßenqualität geht (alles Themen, bei denen man in und für Salzgitter mitreden kann). Das ist gut, denn auf diese Weise entsteht Nähe. Als Oberbürgermeister will ich diejenigen sehen und treffen, die von unseren Entscheidungen als Politiker betroffen sind, ich will zuhören, mich mit ihnen austauschen und lernen. Denn eines ist sicher: praktische Probleme sind immer komplex. Das ist etwas anderes als kompliziert. Bei komplexen Problemen gibt es viele verschiedene Ebenen und Aspekte, die sich gegenseitig beeinflussen. Man kann am Ende also nicht sagen, tue das und dann wird das passieren. 

Alle Probleme, die sich in der Praxis stellen, sind unscharf, ungenau, und man kennt selten alle Details. Man kann es auch anders und vielleicht etwas komplizierter ausdrücken: “In dem Maß, in dem die Komplexität eines Systems wächst, nimmt unsere Fähigkeit, präzise und damit signifikante Aussagen über sein Verhalten zu machen, ab.” Das ist nicht von mir, das ist von Lotfi Zadeh, einem berühmten Forscher, und sie stammt aus dem Jahr 1973. Nach wie vor trifft sie aber den Kern.

Was bedeutet das für mich als Politiker? Ganz einfach: Es geht mir darum, so viele Sichtweisen, Meinungen, Stellungnahmen einzusammeln wie nur möglich. Denn je unübersichtlicher sich ein Problem darstellt, umso genauer muss man zuhören, umso häufiger nachfragen, umso mehr Menschen muss man nach ihrer persönlichen Meinung fragen. Das macht den Beruf nicht leicht – aber es macht ihn zu einer spannenden Herausforderung.

Also, lassen Sie uns reden: über Schulen, Abwasser, Straßenqualität, über die Salder-Umgehung, die Museumszukunft im Schloss, über Wirtschaftsförderung und Innovationspolitik, vielleicht ja auch über Kultur und Kreativität in der Stadt.

Ich freue mich darauf!

Ihr

Harald Rau