Wie sollten wir mit Wirtschaftsbossen umgehen?

Die Ankündigung von MAN war durchaus dramatisch. Der Standort Salzgitter war wieder einmal in der Diskussion. Schon in der Vergangenheit gab es ja öfter Phasen mit durchaus heftiger Neuordnung, mit Entlassungswellen. 

In Salzgitter – und das ist meine feste Überzeugung – muss Wirtschaftspolitik immer Arbeitsmarktpolitik sein. 

Das heißt, wir alle müssen uns überlegen, wie wir dazu beitragen können, Arbeitsplätze zu erhalten, neue zu schaffen. In beiden Bereichen – so meine Überzeugung – gibt es Defizite. Wir müssen dabei anerkennen, dass Salzgitter nach wie vor eine Stadt in der sogenannten Transformation ist. Das heißt: Wir leben in einer Stadt, in der die Veränderung regiert, in einer Stadt, die sich ähnlich wie Kommunen im Ruhrgebiet immer wieder neu finden oder gar erfinden muss!

Schauen wir uns einmal die Reaktion Salzgitters im Falle MAN an. Sicher sehen einige hier den Höhepunkt der Entwicklung im gemeinsamen Protest-Treffen vor den Werkstoren mit reichlich Prominenz. Das war gut, keine Frage. 

Für mich gab es jedoch einen weiteren, etwas anders gelagerten Höhepunkt: In einer Ratssitzung wird dem MAN-Management Manchester-Kapitalismus vorgeworfen. Wörtlich heißt es im Redemanuskript zum Beispiel: „Eiskaltes Management à la Manchesterkapitalismus!“ und „Ein Hohn!“, „Unfassbar!“ – das sind Worte, die dramatisieren sollen, die viele Ausrufezeichen brauchen. Sind sie angebracht? Nun, das Kommunikationsverhalten des MAN-Managements war in der Tat eher unelegant zu nennen. Doch wer am Ende Türen auf solche Weise zuschlägt, macht sie so schnell nicht wieder auf, auch in Zukunft nicht. Scharfe Rhetorik lässt die Fronten ruckzuck verhärten.

Doch was wäre die Alternative zum emotionalen Ausbruch? Es gibt nur eine: Nichts geht über das direkte Gespräch, den Austausch, die direkte Kommunikation, am besten persönlich, zur Not ein Anruf – mit deutlichem Inhalt ganz ohne Ausrufezeichen. Salzgitter ist anders, MAN ist ein Beispiel für andere. Keine Frage: Wir werden hier auch in Zukunft immer wieder damit konfrontiert, wie wir Arbeitsplätze erhalten können, wie wir eine Zukunft für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen.

Meine Forderung wäre: Lasst uns gemeinsam alle Intelligenz, alle Energie darauf verwenden, wie wir eine zielführende Wirtschaftspolitik treiben können, um Arbeit zu sichern, Arbeitsplätze zu schaffen.

Genau dafür stehe ich zur Verfügung – als Oberbürgermeister, jeden Tag. Ich wünsche mir Ideenreichtum, eine neue, einladende Ansiedelungskultur, kreative Ideen für eine moderne Wirtschaftsförderung. Das bedeutet Freiraum für die WIS (Wirtschafts- und Innovationsförderung Salzgitter) und alle mit ihr verbundenen städtischen Einheiten. Ich bin mir sicher (und jetzt setze ich auch Ausrufezeichen): Die kommenden Jahre werden herausfordernd! Gemeinsam und in gegenseitig wertschätzender Auseinandersetzung werden wir gewinnen! Ich freue mich darauf, Salzgitter mit Ihnen gemeinsam zu bewegen! 

Viele Grüße,

Ihr Harald Rau