Mobilität, Beispiel Kiel

Kiel hat für Deutschland den innerstädtischen Radverkehr neu erfunden. Punkt. Das ist so. Ich habe mich selbst davon überzeugt, als ich kurz vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie auf eine Tagung von Wibke Matthes eingeladen war. Sie ist Direktorin des Zentrums für Schlüsselkompetenzen der Universität Kiel. Spannender Termin. In weiser Voraussicht habe ich mein Klapprad auf die Reise mitgenommen. Es hat sich trotz winterlicher Temperaturen wirklich gelohnt. Denn Kiel ist anders, salopp gesagt: Hammer! Fahrräder haben Vorfahrt, egal, wo man hinkommt. Und besonders faszinierend sind die Radschnellwege, die alle Ecken und Enden der Stadt miteinander verbinden. Und Schritt für Schritt gehen die Nordlichter weiter – planen den Autoverkehr auch an der stadtnahen Küstenstraße auszuschließen. Mehrere Dinge habe ich ausprobiert. Abends in die Stadt, meine AirBnB-Bleibe lag etwas außerhalb. In 11 Minuten bin ich mittendrin, Fußgängerzone, über Radwege längs der Straße. Besonders aber bin ich am nächsten Tag beeindruckt, als ich zur Tagung fahre: Die Fahrradautobahn ist genau das: eine Autobahn, man fühlt sich sicher, nicht bedrängt von Autos – es können ja keine kommen, nur ab und an zischt ein Rennradler vorbei. So sieht meines Erachtens der Verkehr in einer zukunftsorientierten Stadt aus. In Salzgitter wird nicht alles genau so möglich sein. Aber warum fragen wir nicht Brigitte Wotha, die lange Jahre in Salzgitter an der Hochschule als Professorin gelehrt hat und in Kiel an der Universität Promotionsrecht besitzt. Vor allen Dingen: sie ist in Salzgitter im Bereich Stadt- und Regionalmanagement an der Hochschule unterwegs gewesen – heute lehrt sie an der FH Kiel. So unter uns – ein Kollege sagte mir unlängst als er von meiner Kandidatur hörte, dass er überzeugt davon ist, dass an der Stadtspitze nicht nur die Ostfalia ignoriert würde, sondern auch der Radverkehr!“ – ersteres kann ich übrigens aus eigener Erfahrung bestätigen. Und Rad fahren ist eigentlich nur im Wald so richtig eine Freude. Gut, einige Radwege wurden eingerichtet und erneuert. zwischen Lobmachtersen und Heerte kann man zwischenzeitlich zum Beispiel durchstarten, aber ich frage mich immer wieder, wo ist das übergreifende Konzept?

Wer Kiel mit dem Fahrrad schon einmal virtuell erkunden will: Hier klicken! Stadtpläne, Filmbeiträge zur Veloroute 10 und Freizeittouren inklusive. Chapeaux!

Und hier geht es direkt zu Prof. Dr. Jana Kühl – erste Radverkehrsprofessorin in Deutschland – berufen mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums. Dreimal dürfen Sie raten, wo sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin zuvor gearbeitet hat. Logisch, in Kiel! Sie auch das Bildmotiv zu diesem Beitrag – ein Screenshot der Kiel-Seite zum Radverkehr.

Im Wahlprogramm der SPD werden Radschnellwege angesprochen – vor allem aber angemahnt, dass die Infrastruktur für Fahrräder dringend ausgebaut werden muss. Zudem soll es Möglichkeiten geben, Fahrräder an Bushaltestellen und Bahnstationen abzustellen. Der Vorschlag: Langfristig soll Salzgitter das Ziel setzen, die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands zu werden. Nun, ein gutes Ziel – Kiel wird, so vermute ich fast, schwer einzuholen sein. Aber: Aller Anfang ist gut. Und mit der ersten Radverkehrsprofessorin Deutschlands, Jana Kühl, direkt im Zentrum von Salzgitter, sollte dieser Anfang ja gelingen.