Takt angeben im ÖPNV

Wer in Salzgitter ohne Auto lebt, muss genau planen. Das war eines der ersten Dinge, die ich lernen musste. Die Folge: In den ersten Jahren, in denen ich noch regelmäßig an den Wochenenden von Salzgitter nach Heidelberg pendelte, habe ich mir ein Zweitfahrzeug angeschafft, bin von der Hochschule nach Hildesheim an den Bahnhof gefahren, habe dort in der Nähe geparkt. Oft war es knapp, meistens habe ich in Hildesheim den ICE in Richtung Mannheim erwischt. Es war tatsächlich die beste Verbindung. Später dann hatte ich mich entschieden immer von Salzgitter-Bad aus zu fahren. Aber dort hinzukommen – das war mit dem Auto eben auch stets die beste Lösung. Auto am Edeka abstellen, in den Zug – und darauf hoffen, dass alle Anschlüsse passen, oft passten sie nicht, meist war der Fernverkehr schuld. Vermutlich ist Salzgitter die einzige deutsche Großstadt, die so miserabel an den Fernverkehr der Bahn angeschlossen ist. Dass Salzgitter aufgrund der VW-Präsenz schon ganz grundsätzlich Autoland ist, zählt aus meiner Sicht nicht.

Moderne Regionen brauchen modernen Öffentlichen Personen-Nahverkehr. Dass es nicht immer ganz leicht ist, bei geringer Nachfrage ein Angebot aufrecht zu erhalten, steht dabei außer Frage. Hinzu kommt, dass alle Nahverkehrsthemen mit dem Regionalverband diskutiert und gelöst werden müssen. Das ist grundsätzlich gut – aber im gleichen Moment dann jeweils auch eine regionale Herausforderung. Ich kämpfe für einen funktionierenden, intelligenten und flexiblen Nahverkehr, und ich bin überzeugt davon, dass es uns gelingen wird, das Angebot attraktiver zu gestalten. Persönlich träume ich davon, dass auch mehr der schon bereits liegenden Schienenstrecken (VPS) für den Nahverkehr nutzbar werden.

Meine Blaupause ist die Gegend zwischen Karlsruhe, Pforzheim, Bad Wildbad und Calw. In den 1980er Jahren wurden dort alte Bahnstrecken mit einem neuen Typ Straßenbahnen wiederbelebt. Ich bin überzeugt, dass Bad Wildbad heute nur deshalb so lebendig und frisch wirkt, weil man mit den aufgerüsteten Straßenbahnen direkt über die Bahnschienen mitten in die Stadt gelangt. Ich weiß auch, dass wir auf viele Bedenkenträgerinnen und Bedenkenträger stoßen werden, aber vieles darf zumindest gedacht werden. Mit dem Mobilitäts-Management-Profi Christoph Menzel haben wir sogar an der Ostfalia einen international ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet.

In den Wahlprogrammen der mich unterstützenden Parteien finden sich viele weitere Aspekte – zum Beispiel die flächendeckende Umsetzung einer Elektrifizierungs- und/oder Wasserstoffstrategie für die Fahrzeuge der KVG. Gerne! Auch das ist modern und im Grunde „state of the art“ – für mich stehen die konzeptionellen Fragen jedoch am Anfang – und daran würde ich gerne arbeiten, kreativ, zukunftsorientiert und nicht immer mit Geldmitteln argumentierend. Bei alledem muss man bedenken, dass die KVG heute schon bei einem 1.418 Kilometer langen Liniennetz und 1.013 Haltestellen, mit beinahe zehn Millionen Farzeugkilometern ein ziemlich dickes Brett bohrt und jede Erweiterung, jeder Eingriff mit durchaus bedeutenden Kosten verbunden ist. Schon heute steht ja fest, dass 48 Busse bis zum Jahr 2023 elektrisch fahren. Die Anschaffungsentscheidungen wurden bereits im Jahr 2018 getroffen.

Aber ganz grundsätzlich: Wir sollten überlegen, wie wir uns in Zukunft fortbewegen, welche Möglichkeiten es Bahnverkehrs wir nutzen können, was wiederzubeleben, was neu zu schaffen ist. Ein Glück, dass der Masterplan Mobilität bereits beschlossene Sache ist. Ich werde dafür sorgen, dass echte Profis mit am Tisch sitzen, wenn über diesen nachgedacht wird, wenn dieser zusammengefasst wird.