Mobilität

Als ich nach Salzgitter kam, habe ich nie verstanden, warum verfügbare Bahnlinien und Haltepunkte nicht umfassend genutzt werden. Auf der Strecke von Braunschweig nach Bad und Ringelheim könnte man durchaus mehrfach halten – früher gab es Haltepunkte – ein Kollege aus unserem Ostfalia-Verkehrsbereich sagte mir einmal wörtlich; „da hängt man einfach einmal viele tausend Menschen ohne Not vom öffentlichen Bahnverkehr ab“ und er meinte, die Umstellung des Regionalverkehrs auf stündlichen Takt ohne Halt bis SZ-Bad. Mit dem zuständigen Raumordnungsverband hatten wir auch schon Gespräche, weil der Regionalverkehr nie auf die Fernverkehrszüge gewartet hat und pünktlich abfuhr – mehrmals fehlten mir nur Sekunden, um die Regionalbahn nach Salzgitter zu erwischen (bedeutete: eine Stunde Aufenthalt im schönen Braunschweiger Bahnhof). Ich habe lange gebraucht bis ich es verstanden hatte: Der Landes-Zuschuss zum Regionalverkehr wird von der Pünktlichkeitsquote abhängig gemacht. Es sind solche Kleinigkeiten, die den öffentlichen Personennahverkehr zu einem komplizierten Thema machen.

Ich würde mir wünschen, dass wir mit dem Masterplan Mobilität baldmöglichst in dieser und für diese Stadt weiterkommen, dass wir alternative Formen der Fortbewegung finden, dass wir den Radverkehr neu für uns entdecken – es gibt viele Vorbilder und Beispiele, und wir haben mit der ersten deutschen Radverkehrsprofessorin Jana Kühl an der Ostfalia in Salzgitter die Chance besondere Kompetenz einfließen zu lassen!

Das Wahlprogramm für den Bereich „Mobilität“ – kurz und knapp:

  • Klares Bekenntnis zum Sozialticket. Menschen müssen mobil sein, ein leistungsfähiger Nahverkehr gehört in einer großflächigen Stadt wie Salzgitter zwingend dazu.
  • Sicherung und Überprüfung mit dem Regionalverband: Anbindung an den Fernverkehr der Bahn ist zu verbessern. Für zukunftsfähige SZ-Anschlüsse gilt sogar: er ist zu perfektionieren!
  • Radverkehr? Radverkehr! 
    • Erfolgreiche Radverkehrskonzepte scheitern in Salzgitter an den Schnittstellen (Rad – Bahn – Bus – Fußweg)
    • Zu diskutieren: Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen (Blaupause: Berlin).
    • Zu diskutieren: Velorouten (Blaupause: Kiel)
    • Strategische Planung des Radverkehrsnetzes (Unterstützung: Radverkehrsprofessur der Ostfalia in Salzgitter) 
  • Moderne Mobilität? Das geht nicht ohne Mobilitätsmanagement. Die zentralen Fragen: Wissen wir genug? Gibt es Möglichkeiten den Nahverkehr attraktiver zu machen (ohne mehr Geld auszugeben), Pendler mit dem Fahrrad zu unterstützen, die Ortschaften besser miteinander zu verbinden, das Radwegenetz sorgfältiger zu planen, Radwege unterschiedlicher Geschwindigkeit vorzusehen? Die als Pilotprojekt der KVG nun genutzten Kleinbusse sind ein interessanter Anfang und stehen für ein vielversprechendes Konzept. Mehr davon! Mehr ausprobieren! Genauer hinschauen! Wege und Verkehrsströme messen!
  • Salzgitter ist eine Autostadt – das darf bei alledem nicht vergessen werden. Sie könnte mit Blick auf die VW-Strategie an Image gewinnen, wenn sie sich selbst zur Stadt der Elektromobilität erklärt, und…
    • …gemeinsam mit allen Bürgern überlegt, was zu einer solchen Stadt gehört;
    • …das dichteste Netz von Ladestationen einer Großstadt mit ländlichem Raum anstrebt und einrichtet
    • …die coolste Ladestation Europas aufbaut – und das Ganze wissenschaftlich begleiten lässt;
    • …eine Teststrecke für Elektromobilität konzipiert und ausweist (Berge, Autobahn, Stadtverkehr, breite und enge Landstraße inklusive) – im Ernst: Das geht im Stadtgebiet einer europäischen Großstadt ausschließlich in Salzgitter!
  • Konsequent werden Förderlinien der EU bezogen auf Mobilitätsmanagement durchforstet!
  • Wer als Großstadt ernstgenommen werden will, braucht eine attraktive Taktung für Bus und Bahn – rund um die Uhr. 
    • Wer hier das Beispiel Stadtentwicklung (Restaurantszene in Bad) aufgreifen möchte: Wir wäre es mit einer Monatskarte für den Bus, die nur für die Zeit ab 18.00 Uhr gültig ist, da würde man sich das mit dem “Essen Gehen” in Bad überlegen. Die Wirtschaftsförderung dürfte hier auch mitreden, denn je mehr Karten verkauft werden, desto mehr Leute sitzen in jenen großen Bussen, die jetzt leer fahren.

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